Kanban mit der Familie

Entstanden im Rahmen von #WirvsVirusHack

Der Hackathon der Bundesregierung

Mit der Schließung der Schulen und Kindergärten im Zuge der Corona Krise wurden viele Familien fast über Nacht mit der Situation konfrontiert, dass sie Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen müssen. Viele berichten davon, dass sie im neuen gemeinsamen Alltag Schwierigkeiten haben, der familiären Verpflichtung mit den beruflichen Anforderungen in Einklang zu bringen.

In der Hoffnung, der ein oder andere, der auf der Suche ist, wie er das Familienleben in den nächsten Wochen besser organisieren kann, findet hier ein paar Hilfreiche Impulse und Ideen. Ich habe mich im Rahmen des Hackathons mit vielen Menschen ausgetauscht, die Erfahrungen mit Kanban in ihren Familien gesammelt haben und möchte meine Erkenntnisse hier teilen. Probiert die Dinge, die Euch hilfreich erscheinen einfach mal aus.

Ich war irgendwie so sehr damit beschäftigt, FÜR alle das Leben im Exil zu organisieren, dass ich das MITEINANDER vergessen hatte. Wir haben uns als Familie in einem Zustand des stressigen Nebeneinanders befunden. Und das, obwohl wir eigentlich gemeinsam als Familie an der Herausforderung wachsen könnten.


Was ist Kanban und wie kann ich es für meine Familie nutzen?

Der ein oder andere kennt den Ausdruck Kanban vielleicht aus der Produktion. Andere haben vielleicht schon von Kanban in der Software Entwicklung gehört oder wenden „Personal Kanban“ in der einen oder anderen Weise an.

Kanban ist eine Methode zur Organisation von Aktivitäten. Sie schafft über grafische Darstellung von aktuellen und zukünftigen Aufgaben mehr Klarheit und regt zu besserer Kommunikation an. Weiterhin fördert Kanban die Reflektion über Inhalt und Umsetzungsform der Aufgaben und versucht so, sich fortwährend an die veränderten Begebenheiten anzupassen.

Darum ist die Vorgehensweise auch gut geeignet, um mithilfe von Visualisierung und Struktur die Koordination der anfallenden Aktivitäten in der Familie zu organisieren. Dabei steht vor allem im Kanban mit Kindern nicht der eigentliche Prozess im Vordergrund, sondern der regelmäßige Austausch und die gemeinsame Arbeit an den Themen.

All diejenigen, die bereits an anderer Stelle mit Kanban Erfahrung gemacht haben, möchte ich mit dieser Seite ermutigen, die grundliegenden Prinzipien und Praktiken auch mal mit der Familie auszuprobieren.

Übersicht

Jedes System besteht aus mehreren Elementen. Diese Elemente werden auf den jeweiligen Einsatz angepasst und sind darum immer sehr speziell. Das macht es ja auch so spannend ein solches System zu erstellen. Hier zunächst eine kleine Übersicht. Im Nachgang werden die Elemente dann genauer erkläret.

Eine Frage der Balance

Im Gegensatz zu anderen Einsätzen von Kanban in der Industrie geht es hierbei nicht darum, die Produktivität Eurer Familie zu erhöhen. Ebenso dient es nicht dazu die Kinder in das Korsett der Erwachsenen zu zwängen. Oder auch wahlweise andersherum. 

Wenn Chaos auf Chaos trifft, kann kaum etwas konstruktives entstehen. Darum versucht dieser Ansatz, auf eine komplexe und chaotische Situation mit einem Maß an Struktur und Disziplin zu Antworten. Um die verschiedenen Bedürfnisse der Familienmitglieder in der Balance zu halten. Damit bestimmte Dinge klar sind. Mit allen diskutiert. Von allen akzeptiert.

Erstellt Euer eigenes Familien Kanban

Vereinbarungen

Besprecht gemeinsam die Dringlichkeit der Situation. Wie wollen wir gemeinsam durch die turbulente Zeit navigieren? Was ist dem:r Einzelnen wichtig, damit er:sie sich auf die neue Situation einlässt? Wie wollen wir unseren Tag strukturieren. Und welche Vereinbarungen wollen wir dazu treffen. Die Vereinbarungen sollten einen sichtbaren Platz haben, damit ihr Euch in turbulenten Zeiten daran orientieren könnt.

Board

Ihr nutzt ein Board, um die Dinge, die im Tagesablauf gemacht werden müssen, verständlich darzustellen. Dabei nutzt man Spalten und Zeilen, um eine Übersicht zu erhalten. Was machen wir heute? Wer kümmert sich darum? Was haben wir erreicht? Hier ist Einfachheit das Wichtigste! Beleibt bei einer Simplen Struktur. Bastelt Euch einen schönen Hintergrund und lasst die Kids dabei mit gestalten.

Karten

Um transparent zu machen, welche Aktivitäten anfallen, nutzt Ihr am besten Klebezettel (z.B. Post-Its). Diese sind Beweglich und können bei Bedarf einfach verändert werden. Die vielen Farben und Grössen könnt Ihr nutzen, um unterschiedliche Typen von Aufgaben darzustellen. Oder Ihr nutzt für jedes Familienmitglied eine andere Farbe. Hier könnt Ihr kreativ sein.


Das große Ganze betrachten

Den Tag habt ihr jetzt strukturiert, jetzt geht es an die Woche. Einmal oder zweimal in der Woche kommt ihr zum „Großen Familienrat“ zusammen und plant gemeinsam, was die nächste Zeit ansteht. Sprecht auch darüber, was gerade prima funktioniert und was Ihr Euch für die nächste Woche anders wünscht. Nehmt neue Sachen und Veränderungen einfach auf. Versucht nicht zu reagieren, sondern zu agieren. Darum plant Ihr vom Groben zum Feinen. Versucht, die Anzahl an parallelen Themen klein halten. Umso weniger Abstimmungsbedarf habt Ihr. „Was steht nächste Woche an?“ ist die Frage, die man also beantworten muss. Und auch hier macht es Sinn als Familie zusammen zu kommen, und über die Dinge zu sprechen. Das wird einfach ein eigenes Board, welches Ihr am Besten vor das andere hängt. Dabei kann man das Ganze in Themenbereiche gliedern und die Aktivitäten dann entsprechend zuzuordnen. Auch Ansätze wie beispielsweise der von Agile-Parenting.de beschriebene sind hier echt praktikabel. Dabei könnt Ihr die Wochentage grob vorplanen und entsprechend reagieren, wenn es Änderungen gibt.


With Love, from Twitter


Dem Tag Struktur geben…

Schafft Raum für gemeinsame Zeiten, die Ihr als Familie mit der Strukturierung und Planung Eures Tages verbringt. Nutzt dafür fest vereinbarte Zeiten im Tagesablauf. Der Tagesablauf sollte visualisiert, für alle sichtbar und verständlich sein. Haltet Fixe Zeiten fest, lasst Platz für Blöcke, um spontan zu reagieren (Wetter, TelCo, neues Toilettenpapier im SPÄTI um die Ecke,…).


Eine gute Möglichkeit, wie Ihr die Zeiten organisieren könnt, in denen Ihr fokussiert Eurer Arbeit nachgehen wollt, ist die Pomodoro Technik. Dabei wechseln sich Zeiten des fokussierten Arbeitens ganz bewusst mit kurzen und größeren Pausen ab. Das hilft die Kreativität und Produktivität in der Gedankenarbeit zu erhalten.

Es klingt ein bisschen wie eine Win-Win Situation: Ihr bleibt über den Tag frischer, könnt regelmäßig aufstehen und mal nach dem Rechten sehen und gleichzeitig vereinbaren, dass in der Fokus Phase keine Unterbrechungen passieren sollen. Wenn nötig, stellt ein Schild auf, um klar zu machen, in welcher Phase ihr Euch gerade befindet.

Worauf Ihr achten solltet

Nehmt Euch nicht zu viel vor!

Weniger ist mehr. Versucht als Familie gemeinsam zu agieren, nicht als Einzelkämpfer. Scheut Euch nicht davor die Anzahl der Dinge, die ihr macht, der Situation entsprechend anzupassen. Seit realistisch mit Euch und Eurer Familie, aber auch mit äußeren Einflüssen in Eurem Umfeld.


Sorgt für Balance

Vergesst nicht, dass es im Wesentlichen darum geht, die Balance zwischen den verschiedenen Bedürfnisse der Familienmitgliedern zu halten. Das fällt nicht immer leicht. Das Verwenden von Farben kann Euch helfen die unterschiedliche Arten von Aktivitäten darzustellen. Gebt allen Bereichen genug Raum: Familienzeit, Arbeit, Haushalt, Partnerschaft, Schule, Individualität, Ausgleich,… Tastet Euch von Tag zu Tag voran und schaut, wie Ihr als Familie am Besten klar kommt.


Einfachheit siegt

Im Familienkanban geht es nicht darum, einen komplexen Prozess zu modellieren und moderieren, sondern gemeinsam und für jeden verständlich zu agieren. Integriert neue Ideen nach und nach. Versucht einfach mal neue Dinge. Nutzt spielerische Elemente und Gamificaton, um den Spass für die Kinder zu erhöhen.


Kommuniziert

Sprecht untereinander, helft Euch aus und versucht Verständnis für den Anderen aufzubringen. Seht die Aufgaben als gemeinsame Challenge die es als Familie zu erledigen gilt, nicht als To-Do Liste, die jeder individuell abarbeiten muss. Erklärt den Kids, dass auch wenn Mama und Papa den ganzen Tag zu Hause sind, trotzdem nicht jeden Tag Wochenende sein kann: Ihr habt nun mal Verpflichtungen, denen es nachzukommen gilt.

Achtet auf Bewegung am Board

Es ist meiner Meinung nach super wichtig, dass Eure Aktivitäten auch an einem Tag umzusetzen sind. Besser noch in einem Block. Brecht sie notfalls runter, um das zu ermöglichen. Auch kleine Sachen, die man einfach mal zwischendurch machen kann, sind gern gesehen. Nichts ist deprimierender, als ein Board, auf dem man keine Bewegung seht und Karten über mehrere Tage hängen bleiben.

Infos und Gedanken rund um Kanban in der Familie gibt es hier im Blog

Letzte Veröffentlichungen im Blog:

Karten

Um transparent zu machen, welche Aktivitäten anfallen, nutzt Ihr am besten Klebezettel (z.B. Post-Its). Diese sind Beweglich und können bei Bedarf einfach verändert werden. Die vielen Farben und Grössen könnt Ihr nutzen, um unterschiedliche Typen von Aufgaben darzustellen. Oder Ihr nutzt für jedes Familienmitglied eine andere Farbe. Hier könnt Ihr kreativ sein.

Für…

Für wen ich diese Seite erstellt habe und für was ich dabei besonders dankbar bin.

Wow: über 1000 Besucher in 2 Wochen

Kanban.family ist jetzt zwei Wochen alt und ich bin begeistert über mittlerweile über 1000 Besucher und fast 4000 Seitenaufrufe. Mit soviel Zulauf hätte ich überhaupt nicht gerechnet. Das ist wirklich toll. Aber was noch viel wichtiger ist… Ich habe in den letzen beiden Wochen schon super motivierendes Feedback erhalten. Neben Hands-on Rückmeldungen über Dinge, die„Wow: über 1000 Besucher in 2 Wochen“ weiterlesen

Agiles Familienleben während der Corona Krise

Ein ganz wundervoller Erfahrungsbericht zu „agilem Familienleben während der Corona Krise“, der mich in Teilen sehr bewegt hat, stammt von Thorsten Schiffer.

Thorsten teilt sehr anschaulich seine Erfahrungen mit agilen Praktiken im Homeoffice und Homeschooling mit seiner Familie.

Vielen Dank Thorsten Schiffer für das Teilen eurer Erfahrungen.

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Kanban in the Kitchen

Ein wunderschönes Anwendungsbeispiel von Lucy Burns, wie sich mit Hilfe eines Kanban Boards das Leben der Familie mit autistischen Kindern verändert hat. Eine schöne Geschichte in englischer Sprache.

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